Wirtschaftliche Entwicklung in der Region

Historisch war Magdenau-Wolfertswil vor allem land- und forstwirtschaftlich geprägt. Über Jahrhunderte lebten die Bewohner von Viehzucht und Ackerbau, ergänzt durch das Handwerk im Dorf. Bereits 1447 wird in Degersheim eine Mühle erwähnt, welche die umliegenden Höfe mit Mehl versorgte. Das Kloster Magdenau war ein wirtschaftlicher Mittelpunkt: Es besaß ausgedehnte Ländereien, führte einen eigenen Gutshof und eine Sägerei, betrieb Teiche zur Fischzucht (Magdenauer Weiher) und verwaltete Zehntabgaben. Die Klosterfrauen stellten zudem Produkte wie Käse, Honig und später kunstvolle Paramente (liturgische Textilien) her, die weit über die Region hinaus bekannt waren. Bis zur Französischen Revolution gehörte Wolfertswil verwaltungsmäßig zum Kloster; die Bauern waren also klösterliche Untertanen und lieferten Abgaben an Magdenau. Mit der Integration in den Kanton St. Gallen 1803 endete diese Grundherrschaft, und Wolfertswils Bauern wurden selbständige Landwirte.

In der Frühen Neuzeit entwickelte sich das ländliche Handwerk: Ab Mitte des 18. Jahrhunderts kamen Verlagsweber in die Gegend, die Baumwollgarn verteilten und die fertig gewebten Tuche aufkauften. Viele Kleinbauern betrieben nebenbei Webstühle in ihren Stuben. Diese Heimarbeit legte den Grundstein für den späteren Industrieboom. Ab etwa 1860 florierte insbesondere die Stickereiindustrie in Degersheim und Umgebung. Mechanische Stickmaschinen (sogenannte Schiffli-Stickmaschinen) ratterten in Dutzenden von Stickereibetrieben und Fabriklein. Auch in Wolfertswil gab es solche Betriebe: So ist überliefert, dass Wilhelm Dudli im 19. Jahrhundert in Wolfertswil eine Stickerei betrieb und Dutzende Heimarbeiter beschäftigte. Die Stickerei brachte Wohlstand – 1890 waren in der Gemeinde Degersheim 429 Maschinen mit rund 900 Beschäftigten im Einsatz, was auch dem Dorfleben in Wolfertswil Auftrieb gab. Doch die Blüte war nicht von Dauer: In der Weltwirtschaftskrise der 1920er brach der Absatz ein, viele Stickereien mussten schließen.

Nach dem Niedergang der Textilindustrie fand die Region zu einer neuen wirtschaftlichen Grundlage. Ab den 1930er-Jahren siedelten sich mittelständische Gewerbebetriebe an – vor allem in der Metallverarbeitung und Holzverarbeitung. Ein Meilenstein war 1910 die Eröffnung der Bahnlinie St. Gallen–Degersheim–Wattwil[59], wodurch Degersheim (und damit indirekt Wolfertswil via Bus) verkehrstechnisch gut erschlossen wurde. In Wolfertswil selbst entstand nach dem Zweiten Weltkrieg eine kleine Gewerbezone. Heute existiert neben der Landwirtschaft ein gesundes Gewerbe mit verschiedenen Betrieben[60]: vom Schreinerei- und Zimmereibetrieb über Installationsfirmen bis zu Dienstleistungsunternehmen. Der größte Arbeitgeber vor Ort war die Firma AS Aufzüge AG, ein Aufzugs- und Liftbau-Unternehmen, das in Wolfertswil rund 120 Angestellte beschäftigte. Die Präsenz dieser modernen Fabrikation inmitten der ländlichen Idylle zeigte, wie Tradition und Fortschritt koexistieren konntzen. Viele Einwohner pendeln zudem in die nähere Umgebung (etwa nach Flawil, St. Gallen oder Wil) – dank des Postautobusses, der Wolfertswil mit dem Bahnhof Flawil verbindet, sind selbst größere Zentren wie Zürich in gut einer Stunde erreichbar.

Die Landwirtschaft selbst hat sich modernisiert: Durch die in den 1980er-Jahren abgeschlossene Güterzusammenlegung Wolfertswil-Hinterschwil entstanden größere Felder, die eine rationellere Bewirtschaftung ermöglichen. Viele Betriebe setzen auf Milchwirtschaft, einige auf Mutterkuhhaltung oder Obstbau. Direktvermarktung (z. B. Hofläden mit Apfelsaft, Honig, Alpkäse) wird immer beliebter und stärkt die Bindung zwischen Produzenten und Konsumenten im Ort. Somit hat sich Magdenau-Wolfertswil von einer ehemals rein agrarisch geprägten Gegend zu einer diversifizierten lokalen Wirtschaft entwickelt, die Tradition und Innovation vereint: Klosterbetriebe neben Bauernhöfe neben Handwerksateliers, Gasthöfe neben Home-Office-Dienstleistern – all das prägt das heutige Bild.

Auch das Gastgewerbe und der Sanfte Tourismus tragen zur lokalen Wirtschaft bei. Traditionsreiche Landgasthöfe wie der Gasthof Rössli oder das Restaurant Moosbad  bieten gutbürgerliche Küche und sind beliebte Treffpunkte für Einheimische wie Auswärtige. In Magdenau bewirtet der historische Gasthof Rössli Gäste, heute ein stilvolles Landrestaurant mit Blick auf Weiher und Klosterhof. Zudem betreibt das Kloster ein kleines Gästehaus St. Josef, in dem Ruhesuchende “Auszeiten” verbringen können. Pilger auf dem Kolumbansweg oder Wanderer nutzen diese einfache Klosterherberge gern, um die Spiritualität des Ortes zu erleben. Im Klosterladen werden regionale Produkte und Handarbeiten verkauft, was einen kleinen, aber feinen Beitrag zur lokalen Wertschöpfung leistet.